Hamburg Marathon 2012 – Teil 1 (Anreise & Lauf)

Hamburg Marathon 2012 - danach
42,195km wieder mal geschafft und das sogar in der erwünschten Zeit!
Aber nun mal ganz ausführlich:

4:45 Der Wecker klingelte. Ich laufe heute meinen dritten Marathon. Verhältnismäßig gut geschlafen ging es erstmal ab unter die Dusche. Irgendwie muss man ja doch wach werden.
5:10 Frühstück. 4 Toast und einen Kaffee. Das musste reichen. Ich machte mir meine Getränke fertig (Pulverzeugs von Powerbar).
Meine Mutter ist netterweise aufgestanden und fuhr mich zu Zippels in Kiel. Danke!

6h Langsam versammelten sich alle von der Laufreisegruppe. Jetzt fehlte nur noch der Bus.
Viertel nach 6 ging es dann auf nach Hamburg. Nervosität? Kaum vorhanden. Ich hörte ein wenig Musik unterhielt mich mit den Sitznachbarn. Kurz vor 8 kamen wir dann auf dem Platz vor dem Marathonläuferbereich an.
Um viertel nach 8 war ich dann soweit, dass ich mich in meinem Laufoutfit (und einem Wegwerf-Shirt) auf dem Weg machte und die Toiletten aufsuchte. Schon jetzt bildeten sich lange Schlangen davor.
Ich wählte natürlich die Falsche (wie so viele andere auch). Hier standen 30 Leute für 1! Toilette an. Auf der anderen Seite wäre die richtige Schlange gewesen für die 20 Dixi-Klos. Sollte man vorher wissen. Mir wurde es zeitlich zu knapp und ging etwas frech einfach in einer der Dixi-Klos.
Es war die richtige Entscheidung. Es war mittlerweile 20 vor 9 und der Start rückte immer näher.

Ich wanderte also zu meinem Startblock (D) und konzentriere mich noch mal auf das Vorhaben. 42,195km in unter 3 Stunden. Möglich, aber trotzdem war ich misstrauisch.
Am Vortag schrieb mir Hannes nochmal, dass ich die ersten 10km genießen und dann das Tempo allmählich aufbauen sollte. Wer mich kennt wird wissen, dass das nicht meine Stärke ist.
Punkt 9 fiel dann der Startschuss. Relativ unspektakulär. Die Startblocks rückten auf und irgendwann lief man über die Startlinie. Die Zeit läuft!!!

Zunächst ging es an der Reeperbahn entlang. Ich ließ es nicht zu schnell angehen. Kein Pace unter 4 Minuten. Ich genoss die ersten 10km. Beobachtete die Zuschauer und lief mich ein wenig frei.
Nach 6km hatte sich das Feld schon ein wenig auseinandergezogen und man fand sich langsam in größeren Gruppen zusammen. Zwar waren diese weit auseinandergezogen, aber man lief dennoch im gleichen Tempo.
Kurz vor den Landungsbrücken wurde es dann richtig stürmisch. Ich glaube, dass jeder hoffte, dass dies nur eine kurzweilige Erscheinung sei. Was es letztendlich auch nur war.

Mein Lieblingsstück ist eindeutig von den Landungsbrücken bis zum Hamburg Hauptbahnhof. Gänsehaut pur für jeden Läufer. Von den 700.000 Zuschauern stehen hier mindestens 300.000. Eine Lautstärke die jede(n) LäuferIn nochmal einheizt. (Leider geil!)

Was nach 15km so passierte habe ich nicht mehr so in Erinnerung. Ich weiß, dass ich bis Kilometer 30 den Schnitt noch bei 4:06 halten konnte. Danach fing es leicht in der linken Kniekehle und am rechten Knie an zu zwicken. Ich versuchte es zu ignorieren, konnte aber nicht verhindern langsam zu laufen. Die Luft war leicht raus. Immerhin schon an der 30er Marke vorbei.

Ich versuchte mich wieder aufzubauen. Trank mehr Wasser, nahm überall, wo es möglich war, eine Banane mit und goss mir Wasser über den Kopf.
12km! Komm schon Michael! Bald ist es nur noch eine einstellige Zahl.
Ich erwartete sehnsüchtig die letzten 8km, da ich von nun an versuchte mich an eine Laufstrecke von zu Hause zu erinnern, die auch nur 8km lang ist und ich schon etliche Male gelaufen bin & total im Blut habe.
Die Kilometer zogen sich in die Länge. Ich bekam von dem Zuschauern nichts mehr mit. Ein paar „Super Michael, weiter so!“ oder „Lauf, Michael lauf!“ (Ja was soll ich sonst machen. Tanzen? ;) )
Ich war konzentriert & wie ich jetzt auf den Fotos gesehen habe auch sehr verbissen. Ich kämpfte mit mir und meinem Körper. Der Geist wollte, aber die Beine zitterten.
Ich weiß nicht mehr, wie es weiter ging. Kilometer um Kilometer lief ich weiter.
Ich rechnete. Was für einen Schnitt musste ich noch laufen um unter 3 Stunden ins Ziel zu kommen. Knappe 5min pro Kilometer. Das sollte doch möglich sein.

Noch 4km!
Ich versuchte die Zähne zusammenzubeißen und rechnete nochmal. Das Ziel war so nah.

Noch 2km!
MICHAEL! Du hast es fast geschafft und hast noch 10 ½ Minuten für 2,195km. Das schaffst du.
Auf den letzten zwei Kilometern ging es nicht mehr. Ich fing an kurzzeitig schnell zu gehen, um dann fand dennoch immer wieder in den Laufrhythmus zurück. Einem Läufer vom Hamburger SV, der schon längere Zeit neben mir lief, erging es ähnlich. Er überholte mich, als ich schnell ging, später war es, der gehen musste. So ging es 2-3 Mal.
Ich erinnerte mich an die Streckenführung. Zwei Kurven noch, dann konnte ich das Ziel sehen.
Kämpfe! Ich sah schon die vollständige Absperrung. Jetzt hieß es Zähne zusammenbeißen und ab auf den roten Teppich. Das fühlte sich gut an. Ich konnte das Ziel sehen. So wenig Meter vor mir.
Gleich ist es geschafft! Auf den letzten Metern konnte ich kaum noch mehr Tempo geben.

Ich war im Ziel. Unter 3 Stunden. Arme hoch! „Siegerpose“ ;)

Offizielle Zeit: 2:58:10h
1. in der Altersklasse (MJA)
275. von den Männern
289. Gesamtplatz

Ich ging ein paar Meter vorwärts, um den nächsten Läufern Platz zu machen. Ich stützte mich erst mal am Geländer ab. Kräfte sammeln, um zur Medaille zu kommen.
„Erstmal zu Rewe!“ Schokolade, Obst, Zucker, Wasser.
Weiter ging es zum Krombacherstand. Ich holte mir ein leckeres Krombacher Radler alkoholfrei. Setzte mich auf eine Bank. Ich fror zwar leicht, aber weiter als zur Bank wäre ich zu dem Zeitpunkt nicht gekommen.
Mein Blick fiel auf das Massagezelt. Wie ein Zombie, okay nicht ganz so schlimm, ging ich zum Zelt und ließ die Beine massieren. Man tat das gut! Kurzzeitig dachten sie zwar, dass ich gleich total unterkühle, da ich wie verrückt zitterte, aber das legte sich nach einiger Zeit auch wieder.

Fortsetzung und Bildern folgen später (am Dienstag oder Mittwoch)

Ein großer Dank geht an meine Eltern, die mir das Startgeld und die Reise bezahlt haben! Danke, danke, danke! :)

2 thoughts on “Hamburg Marathon 2012 – Teil 1 (Anreise & Lauf)

  1. Hallo Micha,
    wieder ein Wahnsinnslauf! Auch wenn ich eine Stunde später über den roten Teppich gelaufen bin, kann ich deine Beschreibung super gut nach vollziehen! Sehr gut geschrieben.
    Liebe Grüße
    sven

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