Hamburg Marathon 2011

Hamburg Marathon 2011

Hamburg Marathon 2011
Rechte liegen bei HamburgerJung auf flickr

Speed is sex – Distance is love
Wer den Spruch gestern beim Hamburg Marathon auf einem Shirt von einem Läufer gesehen hat, hat mit 99% Wahrscheinlichkeit mich gesehen.

Es war mein erster Marathon und dieser leider nicht unter den besten Bedingungen:

  • Hitzeschlacht (zwischen 23 und 28°C) + schwüle Luft
  • Während der ganzen Woche schon Schnupfen
  • Die Wade machte sich auf den letzten 14km extrem bemerkbar

Der Morgen und die Hinfahrt
4:50 – Guten Morgen – Du wirst heute ein Marathon laufen.
Wie? Ich konnte es nicht glauben. Nach dem ganzen Training in den letzten Wochen und Monaten war es nun weit. Der Tag. Es war schon morgens um diese Uhrzeit relativ warm. 16°C.
Erstmal geduscht – ein wenig Nahrung zu mir genommen. Und auf ging es nach Hamburg.
Naja. Erstmal ging es in Kiel zur Zippels Läufer-Welt. Von dort aus ging es mit anderen verrückten Läufern zum Hamburg Marathon. Die Startunterlagen bekam man vor dem Bus ausgeteilt. Die Fahrt war ruhig. Man entspannte, hörte Musik. Ruhte sich aus. Es war „der große Tag“. Ein unglaubliches Gefühl.
In Hamburg angekommen waren es nur wenige Meter.

Gegen halb 8 waren wir also in Hamburg angekommen. Man bereitete sich vor. Toilettengang. Letzte Nahrungsaufnahme. Nochmal zur Ruhe kommen. Sich seelisch und körperlich(dehnen) auf den Marathon vorbereiten.

Der Start
8.40: Auf zum Start. Langsam füllten sich die Starterblock. Ich startete im Block D. Damit waren perfekte Startbedinungen gegeben. Was aber sehr auf Zufall beruhte.

KM 0-20
Dass ich die ersten 20km (Pace 4:20) – vor allem die ersten 10km (Pace 4:04) – viel zu schnell angegangen bin, war mir schon während des Laufens klar. Aber ich konnte mich nicht bremsen. Habe es immer wieder versucht, aber es ging nicht.
Das Publikum, das Gefühl gerade ein Marathon zu laufen, machte dies einfach unmöglich.

KM 20-40
Irgendwann ab km 25 geschah dies aber von selbst. Die Beine machten sich langsam bemerkbar und leider auch die Wade. Ich musste ständig anhalten und nachdehnen. Es nervte. Ich kam nicht mehr ordentlich in Schwung.
Gefühl war mein Gehirn fast vollständig abgeschaltet und lief nur noch im „Laufen“-Modus.
Die Kilometer zogen sich immer weiter in die Länge.
Ich wurde müde. Beine immer schwerer und die Wade verkrampfte sich immer öfters. Ich musste immer öfters anhalten. Das Publikum machte mir immer wieder neuen Mut und ich lief immer wieder weiter. Auch wenn die Aussagen „nur noch 12 bzw. weniger KM)“ sich teils wie eine unendliche Länge anhörten.
Wasserstelle um Wasserstelle kämpfte ich weiter.

Ab KM 30 stieg die Pacezeit auf über 5 Minuten. Mir war es egal.

Aufgeben? Niemals. Es ist mein erster Marathon und den möchte ich auch durchlaufen – egal wie schmerzhaft das ist. Die Mauer war also da, aber ich überwand sie. So schwer es auch war. Ich brauchte viele viele Anläufe um mindestens wieder einen Kilometer durchzulaufen.
Die Temperatur machte sich bemerkbar. Schon 750m nach den jeweiligen Wasserstellen trocknete mein Mund aus. Jede Wasserstelle war ein tolles Gefühl. Sich pitschnass machen. 3 Becher Wasser trinken und wieder langsam anzulaufen.

KM 40-42,195
Nie, wirklich nie habe ich so mit meinem Körper kämpfen müssen. Ich wusste, dass es nur noch so wenige Km waren. Ich wusste, dass wenn ich im Ziel bin, alles gut ist. Der Traum wahr werden würde und das auch noch in einer akzeptablen Zeit für den ersten Marathon.
Die letzten Kilometer fühlten sich wie die Hölle an und gleichzeitig war mir klar, gleich hast du es geschafft. 42,195km am Stück gelaufen.
Es ging noch mal ein Stück bergauf. Heftig. Danach aber war es so weit. Die Zielgerade. Ich konnte sie sehen. Geschätzte 400m. 400m die sich in die Länge zogen.
Aber das Gefühl von links und rechts auf den letzten Metern nochmal so richtig angefeuert zu werden.
Ich war einfach nur noch glücklich. Die Zeit war mir zu dem Zeitpunkt nur noch total egal.
Ich sehnte mich nur noch nach Wasser und ein bisschen Ruhe. Ich hob die Arme, wollte noch mehr vom Publikum hören. Es wurde lauter. Die letzten zwei Zielmatten waren zu sehen. Nur noch wenige Meter.
Fertig. Im Ziel.
Was war und ist das für ein geiles Gefühl. Das weitergehen viel schwer. Erstmal was trinken. Ein kleiner Wassereimer mit Bechern und einer Helferin standen dort und gaben den Läufern im Ziel was zum Trinken. Ich trank erstmal x Becher.
Weiter ging es zur Medaillenausgabe. Ich war begeistert. Vielleicht sah man es nicht an meinem Gesichtausdruck.
Ein Foto mit der Medaille im Mund und weiter ging es.

Down
Ich musste mich erstmal hinsetzen. Ein bisschen schwindelig und total k.o. saß ich dort.
Wieder aufgestanden und sicherhaltshalber Puls im Zelt überprüfen lassen und kurz hingelegt.
Es war aber geschafft. Aus dem Zelt ging es wieder raus. Ich fühlte mich sehr beschwingt. Einfach glücklich. Von Rewe gab es Verpflegungstüten mit einem Apfel, Banance, zwei Getränken und einem Riegel.

Up
Mir ging es wieder besser. Ich setze mich trotzdem einfach wieder auf den Boden. Dort wo alle lagen/saßen. Der Asphalt war schön warm. Die Beine fühlten sich mit dieser Wärme sehr wohl. Einige Minuten saß ich dort, bevor ich zum „Soforturkunde“ Stand ging um mir mein Ergebnis genauer anzugucken. Ich bin tatsächlich noch 3. in meiner Altersklasse geworden. Unglaublich! Ein Pokal würde ich noch nachgeschickt bekommen.
Nun ging es zurück zum Bus und zog mir erstmal gemütliche und warme Klamotten an.

Rückfahrt
Gegen kurz nach 4 ging es zurück nach Kiel. Zippels gab einiges zum futtern aus. Süßigkeiten, Äpfel, Bananen…
Im Bus fing es leider an – aufgrund der etwas engen Beinfreiheit, dass ich einige Krämpfe bekam.
In Kiel angekommen wurde ich abgeholt. Das Aussteigen aus dem Bus war schwierig. Treppen hoch geht. Aber beim Treppen runtergehen verkrampfte sich die Oberschenkel so stark, dass ich ein paar Sekunden so stehen bleiben musste. Muss komisch ausgesehen haben ;). Schließlich habe ich es trotzdem noch aus dem Bus in den Wagen geschafft. Zu Hause angekommen ging es mir doch sehr gut.
Ich gönnte mir eine Pizza. Trotzdem blieb der „ganz große“ Hunger bis zum Schlafen gehen aus. Um 21 Uhr lag ich schon im Bett und wenige Minuten später schlief ich schon tief und fest.

Es ist immer noch unglaublich. Ein großartiges Gefühl.
Ein Artikel zu dem Zustand am Montagmorgen und über den Tag folgt am Dienstag.

Fazit: Der nächste Marathon kommt bestimmt und vielleicht sogar noch dieses Jahr!

Die Daten:

  • Startnummer: 1714
  • Altersklasse: MJA
  • Platz (AK): 3
  • Platz (M/W): 1071
  • Platz (Gesamt): 1165
  • Zielzeit (Netto): 03:24:18
  • Zielzeit (Brutto): 03:25:55